Jugendhaus Geschwister Scholl

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Lesen lernen

 

Seinen Kindern abends eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen, ist eigentlich etwas ganz Normales. In der Bundesrepublik Deutschland gibt es die Schulpflicht – in der Grundschule lernt jede/r das ABC. Doch nicht jede Mutter hat die Chance auf Schulbildung. In vielen anderen Ländern der Welt ist es nicht üblich, dass Frauen zur Schule gehen. Genau hier setzt das Projekt „Lesen lernen“ des Jugendhauses Geschwister Scholl an.

 

Die Eigeninitiative der Mütter vom Jugendhaus Geschwister Scholl machte es möglich, dass immer montags von 15.30 Uhr bis 17 Uhr 12 interessierte Frauen das Lesen lernen. Eine Deutschlehrerin bringt ihnen Grammatik und Vokabeln bei, damit sie ihren Alltag allein bewältigen können. Der etwas andere Deutschkurs ist im Januar diesen Jahres gestartet und läuft vorerst bis zu den Sommerferien. Geplant ist schon jetzt, den Kurs auch im Herbst wieder anzubieten, denn die Nachfrage ist groß. „ Das Angebot ist so beliebt, weil es niederschwellig ist. Wir bieten einen leichten Zugang zur Sprache und das kommt an“, fasst Heiko Horstmeyer, Leiter des Jugendhauses Geschwister Scholl, zusammen.

 

Die Frauen können bereits Textnachrichten in deutscher Sprache verschicken. Aber auch das Lesen von Bus- und Bahnfahrplänen ist schon keine Schwierigkeit mehr. Einen Ausflug in die Umgebung machen, beispielsweise die Innenstadt von Hannover besuchen, das können die Frauen allein unternehmen. Auch die Ehemänner und Söhne stehen voll hinter dem Projekt „Lesen lernen“. Das Jugendhaus ist für sie ein akzeptierter Ort. Sie haben verstanden, dass das Projekt gut und wichtig für ihre Familie ist. Damit die Idee umgesetzt werden konnte, benötigte die städtische Einrichtung dazu die notwendigen finanziellen Mittel. Ein Projektantrag bei der Günther+Rita Rudloff-Stiftung brachte den Erfolg. Mit einer Fördersumme von 1.800 Euro in diesem Jahr, macht es die Stiftung möglich, dass Frauen mit Zuwanderungsgeschichte ihren Kindern bald auch Gute-Nacht-Geschichten vorlesen können.

Mit Geduld und zielgerichteten Angeboten haben es die Mitarbeiter/innen geschafft, Integration in Bärenkämpen zu leben. Mittlerweile sind rund 52 unterschiedliche Nationalitäten im Stadtbezirk vertreten. „Minden ist von den derzeitigen Entwicklungen nicht ausgenommen. Wie werden in diesem Jahr bis zu 500 Menschen aus anderen Ländern aufnehmen“, hebt der Erste Beigeordnete Peter Kienzle hervor. Die Stadtverwaltung kümmere sich um die Unterbringung, die Krankenversicherung, den Spracherwerb und darum, dass die Kinder die Kita und die Schule besuchen. Die vielseitigen Angebote des Jugendhauses Geschwister Scholl seien ein wichtiger Baustein im Konzept dieser Unterstützungsleistungen, so Kienzle weiter.

Die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in der neuen Heimat soll allen offen stehen. Über die Kinder und Jugendliche wird der Kontakt leichter und unkomplizierter. In Zusammenarbeit mit der Günther+Rita Rudloff-Stiftung sind in den vergangenen Jahren viele Ideen auf den Weg gebracht worden. 2010 wurde die erste Mädchen-Gruppe im Jugendhaus gegründet. Im Jugendhaus waren sonst meist nur Jungen anzutreffen – das änderte sich schlagartig. Die Mädchen haben jetzt einen festen Platz im Jugendhausalltag eingenommen. Ausflüge, Freizeitfahrten und ein Seminar zum Rollenverständnis von Frauen und Mädchen waren dabei wichtige Bausteine der Jugendarbeit. Dabei kam es maßgeblich auf die Unterstützung der Eltern an.

Die Vernetzung unter den Familien wirkte sich positiv auf die Arbeit im Jugendhaus aus. Die Frauengruppe ist über den Stadtteil Bärenkämpen hinaus sehr bekannt und begehrt. Sie besteht aus rund 40 Frauen. Aber sie hat eine weitaus höhere Reichweite. Primär richtet sich dieses Angebot an die Mütter in Minden-Bärenkämpen. In Zusammenarbeit mit dem Familienzentrum Bollerwagen wurde auch ein Kontakt zu deutschen Müttern hergestellt.

 

Ebenfalls sehr beliebt ist das Schulprojekt. Als Kooperationsschulen daran beteiligt sind die Mosaikschule, das Besselgymnasium, die Kuhlenkampschule und die Käthe-Kollwitz-Realschule. In einer familienähnlichen Situation essen die Kinder gemeinsam mit den Betreuern Mittag. Danach können sie spielen und werden in festen Gruppen bei der Hausaufgabenerledigung betreut. Sehr beliebt sind auch die Familienfreizeiten. Die Nachfrage ist höher als das Angebot. Die mehrtägigen Reisen sind nicht nur für die Kinder ein absoluter Höhepunkt. Mütter, Väter und Mitarbeiter/innen fahren einmal in den Sommerferien gemeinsam weg. Vergangenes Jahr ging die Fahrt an die Nordsee und war ein voller Erfolg.

Das Jugendhaus in Bärenkämpen leistet mehr  als nur Jugendarbeit. Ganze Familien sind in die Angebote einbezogen. Aber ohne finanzielle Hilfe geht das nicht. Die Günther+Rita Rudloff-Stiftung war und ist ein zuverlässiger Partner, wenn es darum geht neue Ideen in die Tat umzusetzen. Die Stiftung leistet dort Unterstützung, wo der städtischen Finanzierung Grenzen gesetzt sind. „Förderanträge werden meist nur auf dem Papier entschieden. Da gehört immer ein gutes Bauchgefühl dazu“, betont Carsten Meyer von der Rudloff-Stiftung. Aber bisher hat ihn sein Bauchgefühl nicht getäuscht. Alle bisher gestellten Förderanträge wurden bewilligt. Insgesamt sind in den vergangenen sechs Jahren 115.000 Euro für Kinder- und Jugendarbeit investiert worden. Projekte fördern, in denen Herzblut steckt, ist laut Meyer die Motivation der Stiftung. Über sechs Jahre Geduld und Engagement geben Kraft weiter zu machen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Öffnungszeiten

Kinderbereich
Di - Fr
15.30 - 17.30

Jugendbereich
Di - Do
15.30 - 20.00
Fr 15.30 - 21.00

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Telefon 0571-649213

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